
Warum Men’s Health & Co. nichts übers Tanzen schreiben
17.07.2026 - Sebastian - ~3 Minuten
Blättere durch eine beliebige Ausgabe von Men’s Health, Men’s Fitness oder Men’s Journal und du findest Trainingspläne für jede erdenkliche Sportart: Krafttraining, Laufen, Boxen, Calisthenics, sogar Zumba wird ab und zu als Cardio-Tipp erwähnt. Was fast immer fehlt: ein ernsthafter Artikel übers Tanzen. Dabei bringt kaum ein Training Körper und Kopf so vielseitig zusammen.
Mir ist das selbst aufgefallen, seit ich öfter über meinen Sport spreche. Ich war lange ein übergewichtiger IT-ler, habe über 40 Kilogramm abgenommen und mich danach als Personal Trainer ausbilden lassen. Wenn ich seitdem erzähle, dass ich heute Ballett und Contemporary tanze, kommt oft ein überraschtes Gesicht zurück. Kraftsport wird sofort als ernsthaftes Training anerkannt. Tanzen nicht. Dabei gehört für mich keine andere Trainingsform so vieles auf einmal zusammen wie eine gute Ballettstunde.
Was ich als Trainer daran erkenne
Als ausgebildeter Fitness- und Personal Trainer kenne ich die klassischen Trainingsformen aus den Männermagazinen gut: Kraftsport, Ausdauertraining, Functional Training. Tanzen bringt vieles davon in einer einzigen Stunde zusammen. Du brauchst Kraft für Sprünge und Halteelemente. Du brauchst Ausdauer für lange Durchläufe. Du brauchst Beweglichkeit für die Technik und ständig neue Koordination, weil sich die Schritte laufend ändern. Das klingt erstmal nach viel, ist aber genau das, was Tanzen für mich so kurzweilig macht: Es wird nie eintönig, weil sich mit jeder Choreo etwas Neues dazugesellt.
Was ich bei anderen Tänzern sehe
Wie athletisch das werden kann, sehe ich an Tänzern, die ich selbst bewundere. Julian MacKay wurde an der Bolschoi-Akademie in Moskau ausgebildet und tanzt heute beim Bayerischen Staatsballett München. Wenn er sich bewegt, merkt man sofort, wie viel Körperkontrolle dahintersteckt. Daniil Simkin, ehemaliger Principal am American Ballet Theatre und am Staatsballett Berlin, ergänzt sein Training zusätzlich mit Yoga und gezielten Krafteinheiten für seine berühmten Sprünge. Und Friedemann Vogel vom Stuttgarter Ballett wurde von der Fachzeitschrift tanz schon mehrfach zum “Tänzer des Jahres” gewählt und sogar von Porsche als Sportler porträtiert. Das sind keine Zufälle. Diese Körper entstehen, weil der Tanz sie fordert.
Auch bekannte harte Jungs haben das erkannt
Ich bin nicht der Erste, dem das auffällt. Jean-Claude Van Damme hat als Teenager fünf Jahre Ballett trainiert, weil er wusste, dass ihm die Beweglichkeit in seinen Kampfkünsten hilft. Wer seine Spagat-Tritte kennt, sieht die Handschrift des Balletts darin. Auch Arnold Schwarzenegger hat für seine Mr.-Olympia-Auftritte gezielt Ballettunterricht genommen, um Haltung und Bühnenpräsenz zu verbessern. Seine eigene Erklärung dafür: “Bodybuilding was a sport where you had to perform.” Zwei der bekanntesten Kraftsportler ihrer Generation haben also freiwillig im Ballettsaal trainiert, um in ihrem eigenen Sport besser zu werden.
Vom Film ins echte Leben
Nicht jeder kam über den Kraftsport zum Tanz. Patrick Swayze tanzte schon ab seinem dritten Lebensjahr klassisches Ballett und war Principal Dancer beim Eliot Feld Ballet, lange bevor er als “Dirty Dancing”-Star bekannt wurde. Derek Hough, bekannt aus “Dancing with the Stars”, nennt Tänzer selbstbewusst “artistic athletes” und trainiert dafür genauso strukturiert wie ein Kraftsportler: mit gezielten Kraftphasen, Beweglichkeitsarbeit und Ausdauertraining. Beide zeigen, dass Tanzen und klassisches Training sich nicht ausschließen, sondern ergänzen.
Bei mir kannst du selbst testen, was Tanzen alles kann
Du musst mir das nicht einfach glauben. In meinen Kursen in Harsewinkel und Bielefeld merkst du schon nach der ersten Stunde, wie viel in diesem Training steckt, egal ob du aus dem Kraftraum kommst oder noch nie trainiert hast. Die Männermagazine haben das Thema bisher übersehen. Du musst nicht auf sie warten, um es selbst auszuprobieren.
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